Managementansatz

Im Geschäftsjahr 2015 verzeichnete die Weltwirtschaft ein moderates Wachstum, das leicht unter dem Vorjahresniveau lag. Die weltweite Nachfrage nach Automobilen stieg weiter an. Unter zunehmend schwierigeren Bedingungen in einigen relevanten Märkten lagen die Auslieferungen an Kunden des Volkswagen Konzerns leicht unter dem Wert des Vorjahres.

Der Volkswagen Konzern hat seine Modellpalette im Berichtsjahr in wichtigen Segmenten gezielt ausgebaut. Zudem wurden Nachfolger und Produktaufwertung für wesentliche Modelle der Marken vorgestellt, viele basieren auf dem Modularen Querbaukasten. Das Angebot des Konzerns umfasst derzeit 337 Pkw-, Nutzfahrzeug- und Motorradmodelle sowie deren Derivate.

Die Diversifizierung unserer Produktpalette und unsere breite Aufstellung in den globalen Märkten haben unsere Stabilität und Rentabilität gestärkt.

Die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen werden sich in Zukunft drastisch verändern. Immer mehr Menschen ohne eigenes Auto werden zukünftig Mobilität einfach auf Abruf nutzen. Insbesondere in den Großstädten wird Mobilität immer flexibler, automatisierter und effizienter werden. Und am Steuer wird nicht immer ein Mensch sitzen. Diese Veränderungen eröffnen uns Chancen, die wir durch den Einsatz von intelligenten Innovationen und Technologien nutzen. Der Volkswagen Konzern konzentrierte seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Geschäftsjahr 2015 darauf, seine Produktpalette zu erweitern und die Funktionalität, Qualität, Sicherheit und Umweltverträglichkeit seiner Produkte zu verbessern. Eine zentrale Herausforderung für Volkswagen liegt darin, neue Entwicklungen in Gesellschaft, Politik, Technologie, Umwelt und Wirtschaft frühzeitig zu erkennen. Diese sind eine wichtige Grundlage für Innovationen und damit für unseren unternehmerischen Erfolg.

Die Konzernforschung befasst sich kontinuierlich mit den aktuellsten Trends und hat in den wichtigsten Automobilmärkten der Welt – unter anderem in China, Japan und den USA – Forschungsbüros eingerichtet. Wir setzen auch bei allen Facetten des Themas Sicherheit auf Innovation – bei unseren Fahrzeugen, im Straßenverkehr, bei jedem einzelnen Produkt. 

Dazu verfolgen wir den Ansatz einer möglichst hohen lokalen Wertschöpfung. Dafür gibt es gute Gründe. Zum einen sichern wir uns damit zahlreiche wirtschaftliche Vorteile, zum anderen verringern wir Risiken. Wir sind jeweils vor Ort ein wichtiger Impulsgeber und kommen gleichzeitig den unterschiedlichen Wünschen unserer Kunden entgegen.

Für den nachhaltigen Erfolg unseres Unternehmens ist es entscheidend, dass wir die Risiken und Chancen, die sich aus unserer operativen Tätigkeit ergeben, frühzeitig erkennen und sie vorausschauend steuern. Der verantwortungsvolle Umgang mit den Risiken wird im Volkswagen Konzern durch ein umfassendes Risikomanagement- und internes Kontrollsystem unterstützt.

Volkswagen hat bereits seit mehreren Jahren konzernweit ein ausgeprägtes und anerkanntes Compliance-Managementsystem. Compliance war auch im Jahr 2015 im Volkswagen Konzern ein wesentlicher Teil der Organisation Governance, Risk & Compliance (GRC). Als sichtbare Stärkung der Compliance im gesamten Unternehmen hat der Aufsichtsrat der Volkswagen AG beschlossen, ab Januar 2016 das neue Vorstandsressort Integrität und Recht zu schaffen. 

Entwicklung der Märkte

Weltweite Pkw-Nachfrage erreicht neuen Höchststand

Im Geschäftsjahr 2015 stieg die Zahl der weltweiten Pkw-Neuzulassungen leicht um 2,6 % auf 75,6 Mio. Fahrzeuge und übertraf damit den bisherigen Höchststand aus dem Vorjahr. Während Westeuropa, Zentraleuropa, Nordamerika und Asien-Pazifik teilweise deutliche Zuwächse aufwiesen, lag das Pkw-Marktvolumen in Osteuropa und Südamerika erneut erheblich unter dem Vorjahreswert.

Branchenspezifische Rahmenbedingungen

Die weltweiten Pkw-Märkte haben sich im Berichtsjahr sehr unterschiedlich entwickelt: In wichtigen Absatzländern Westeuropas erholte sich die Nachfrage, der chinesische Markt wuchs langsamer als in den Vorjahren und in Russland sowie Brasilien waren erhebliche Rückgänge zu verzeichnen.

Die branchenspezifischen Rahmenbedingungen wurden wesentlich durch fiskalpolitische Maßnahmen beeinflusst. Diese haben im abgelaufenen Geschäftsjahr maßgeblich zur uneinheitlichen Absatzentwicklung in den Märkten beigetragen. Die hierbei eingesetzten Instrumente waren: Steuersenkungen beziehungsweise -erhöhungen, Förderprogramme und Kaufprämien sowie Importzölle. Zudem nimmt der regulatorische Einfluss auf die Automobilbranche international zu, insbesondere im Hinblick auf Abgas-Emissionen.

Nicht-tarifäre Handelshemmnisse zum Schutz der jeweiligen heimischen Automobilindustrie erschwerten darüber hinaus den ungehinderten Austausch von Fahrzeugen, Teilen und Komponenten. Protektionistische Tendenzen waren vor allem bei rückläufigen Marktentwicklungen zu beobachten. Dies trägt dazu bei, dass die globalen Beschaffungs- und Absatzmärkte immer volatiler werden.

Um auf diese veränderten Rahmenbedingungen angemessen zu reagieren, werden wir uns stärker als bisher auf wachstumsträchtige Segmente und Regionen konzentrieren – so etwa auf das Economy-Segment in China und Indien. Zudem wollen wir uns Bereiche wie E-Mobilität, autonomes Fahren und vernetzte Mobilität weiter erschließen. Unser neues Geschäftsfeld Mobilitätslösungen wird hier zum Treiber werden.

Wesentliche Zahlen nach Märkten1

  Absatz Umsatzerlöse
Tsd. Fahrzeuge/Mio. € 2015 2014 2015 2014
Europa/Übrige Märkte 4.524 4.430 132.535 122.858
Nordamerika 941 879 35.384 27.619
Südamerika 540 794 10.148 13.868
Asien-Pazifik2 4.005 4.114 35.225 38.113
Volkswagen Konzern2 10.010 10.217 213.292 202.458
 
1 Die Zahlen sind jeweils für sich gerundet; das kann bei der Addition zu geringfügigen Abweichungen führen.
2 Die Umsatzerlöse der Joint-Venture-Gesellschaften in China sind in den Werten des Konzerns und des Marktes Asien-Pazifik nicht enthalten.

Qualitätssicherung

Im Zuge unserer globalen Expansion wollen wir die Zufriedenheit unserer Fahrzeugkunden durch die höchste Produkt- und Servicequalität gewährleisten. Eine große Herausforderung ist dabei die wachsende Anzahl von Produktionsstandorten und marktspezifischer Modellvarianten. Deshalb verfolgt der Volkswagen Konzern weltweit eine einheitliche Qualitätsstrategie. Ein zentrales Gremium steuert die Qualitätssicherung. In allen Marken und Regionen von Volkswagen spiegelt sich hohe Qualität organisatorisch und thematisch in gleicher Weise wider. Der Konzern vernetzt dabei die Marken und Regionen. Dazu steuert er die übergreifenden Prozesse zentral. Für die Qualität der Produkte sind aber die Marken des Konzerns und die regionalen Standorte verantwortlich. An allen Standorten und über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg sind rund 16.800 Qualitätsbeauftragte in die entsprechenden Prozesse eingebunden und sorgen dafür, dass Fehler vermieden und abgestellt werden. Unsere Kunden erhalten so die qualitativ hochwertigen Produkte, die sie von uns erwarten.

In Zukunft wird bei den Prüfungen der Konformität unserer Produkte das „Vier-Augen-Prinzip“ zwischen den Geschäftsbereichen und der Qualitätssicherung weiter gestärkt. Unter anderem haben wir die Kontrollmechanismen zwischen der Entwicklung und der Qualitätssicherung im Bereich der Zulassung von Aggregaten um ein zusätzliches „Augenpaar“ erweitert.

Die Modularstrategie

Der Modulare Querbaukasten, kurz MQB, wurde entwickelt, um zukünftig alle Fahrzeuge des Konzerns, bei denen der Motor quer zur Fahrtrichtung liegt, mit gleichen Bauteilen auszustatten. Die Entwicklungskosten und Fertigungszeiten können durch den MQB reduziert werden. Er trägt damit zum Erreichen unserer wirtschaftlichen Ziele bei und ermöglicht es, Überkapazitäten und Fehlallokationen zu vermeiden. Der MQB kann von mehreren Konzernmarken genutzt werden und wir können auf seiner Grundlage verschiedene Fahrzeugklassen auf einer Fertigungslinie produzieren. Damit kommen wir auch den Wünschen unserer Kunden entgegen, denn einzelne Komponenten können schneller ausgetauscht werden. Neben konventionellen Benzin- und Dieselmotoren kann der MQB zum Beispiel auch Gas-, Hybrid- oder Elektroantriebe integrieren. Dies erhöht die Flexibilität der Produktion.

Verkehrszeichen- und Fußgängererkennung, Stauassistenten oder Emergency Assists und andere Assistenzsysteme lassen sich mit dem MQB ebenfalls verarbeiten. Mittlerweile ist mit dem Roll-out in China, Südafrika, Brasilien und Mexiko die weltweite Einführung des MQB vorangeschritten. Lag die Anzahl der Werke, die mit diesen Baukästen arbeiteten, im Jahr 2014 noch bei zwölf, waren es zum Ende des Berichtszeitraums 16. Im Jahr 2016 sollen es 20 sein. Insgesamt lag der MQB-Anteil am Konzern-Produktionsvolumen 2015 bei 25 %.

Der MQB ist für uns von großem Nutzen, weil er die Komplexität in der Produktion reduziert und den betriebswirtschaftlichen Nutzen steigert. Wir sehen hier aber noch ungenutztes Potenzial für zusätzliche Kosteneinsparungen und Synergien.