Strategisches
Stakeholder-Management

Als Automobilunternehmen mit zwölf Marken und 119 Produktionsstandorten in 153 Märkten werden wir täglich mit den unterschiedlichsten Ansprüchen, Erwartungen und Haltungen konfrontiert. Diese große Vielfalt unserer Kontakte ist eine enorme Chance, weil die Beziehungen, die unsere Gesellschaften zu ihren Stakeholdern pflegen, unsere gemeinsame Arbeit ungemein bereichern. Sie ist zugleich aber auch eine Herausforderung, weil diese Interessenvielfalt Zielkonflikte mit sich bringt.

Volkswagen im Spannungsfeld der Stakeholder-AnsprücheGRI G4-24, G4-25

Mit unseren Stakeholder-Beziehungen bewegen wir uns tagtäglich im Spannungsfeld zwischen effizientem wirtschaftlichem Handeln und breit gefächerten gesellschaftlichen Erwartungen. Die Ansprüche, die an uns sowohl als Unternehmen wie auch gesellschaftlicher Akteur herangetragen werden, sind dabei so vielfältig wie unsere Produkte und Dienstleistungen. Unsere Kunden erwarten hochwertige Mobilitätsangebote und erstklassigen Service. Für unsere über 610.000 Beschäftigten sind leistungsgerechte Entlohnung, Beschäftigungssicherheit und Mitbestimmung entscheidende Themen. Investoren und Analysten hingegen wünschen sich kontinuierliche Absatzsteigerung und solides Ertragswachstum, während zivilgesellschaftliche Akteure auf gesellschaftliches Engagement und auf die Unterstützung ihrer sozialen und ökologischen Projekte setzen. Den Konzern durch diese Vielzahl der Anforderungen und Erwartungen zu steuern, ist die Aufgabe des strategischen Stakeholder-Managements.

Unter Stakeholdern verstehen wir dabei Einzelpersonen wie auch Gruppen oder Organisationen, die ein berechtigtes Interesse am Verlauf oder Ergebnis der unternehmerischen Entscheidungen des Volkswagen Konzerns haben. Den Mittelpunkt unseres Stakeholder-Universums bilden Kunden und Mitarbeiter. Um diesen Kern herum gibt es zwölf weitere Stakeholdergruppen, ohne dabei eine Priorisierung vorzunehmen. Denn die Ansprüche unserer Stakeholder sind nicht gleichartig, für uns aber gleichwertig.

Stakeholder des Volkswagen Konzerns GRI G4-24

Grafik: Stakeholder des Volkswagen Konzerns

Strategisches Stakeholder-Management als ganzheitlicher AnsatzGRI G4-21, G4-24, G4-25, G4-27

Uns ist klar: Wir können langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn wir die Interessen, Bedürfnisse und Erwartungen aller Stakeholder gut kennen und uns proaktiv mit ihnen auseinandersetzen. Weil uns der wechselseitige Austausch auf Augenhöhe wichtig ist, muss das Stakeholder-Management auch besonders hohen Ansprüchen genügen. Dazu zählen:

  • Ansprüche an Volkswagen systematisch erfassen, aufnehmen und verstehen
  • gemeinsam Probleme lösen und Know-how wechselseitig nutzbar machen
  • zukünftige Konfliktpotenziale und Risiken erkennen und gegenwärtige Konflikte entschärfen
  • Entscheidungsqualität durch Transparenz, Offenheit und Partizipation verbessern

Stakeholder-Management heißt für uns nicht Management von, sondern Engagement innerhalb und für die Beziehungen zu unseren Stakeholdern. Dazu ist eine systematische und strategische Planung, Vorbereitung, Durchführung und Kontrolle unserer Aktivitäten und Beziehungen notwendig. Um die enorme Vielfalt dieser Interaktionen zu bewältigen, sind intelligente und dezentrale Steuerungsmechanismen erforderlich.

Stakeholder-Management bei Volkswagen – ein ganzheitlicher Ansatz GRI G4-21, G4-24, G4-25, G4-27

Grafik: Stakeholder Management bei Volkswagen – ein ganzheitlicher Ansatz

Planung und SteuerungGRI G4-25

Den direkten Kontakt mit den Anspruchsgruppen pflegen unsere Marken. Aufgabe des Konzerns ist es, diese Engagements, Projekte und Prozesse in enger Abstimmung mit den Vertretern der Marken, Märkte und Regionen unter einem Dach zusammenzuführen und strategisch auszurichten. Für die Koordination des Stakeholder-Managements hat der Volkswagen Konzern eine klare Managementstruktur geschaffen. Ihr höchstes Gremium ist der Konzernvorstand (Nachhaltigkeitsboard). Er wird vom Konzern-Steuerkreis Nachhaltigkeit regelmäßig über das Stakeholder-Management informiert. Im Steuerkreis werden unter anderem die strategischen Ziele und Anforderungen an das Stakeholder-Management definiert. Dem Steuerkreis steht die Geschäftsstelle Nachhaltigkeit zur Seite. Zu ihren Aufgaben zählt die Koordination aller nachhaltigkeitsrelevanten Aktivitäten innerhalb des Konzerns und der Marken, aber auch der Stakeholderdialoge auf Konzernebene.

Normierung, Dokumentation und Kommunikation GRI G4-25

Es ist uns sehr wichtig, über alle unsere Aktivitäten transparent und umfassend zu informieren. Das zentrale Medium unserer Rechenschaftsablegung ist der Nachhaltigkeitsbericht. Er gibt einmal jährlich umfangreiche Einblicke in unsere Engagements. Zusätzlich informieren wir in Pressemitteilungen, Social Media und Sonderpublikationen über aktuelle Projekte und Initiativen. Für die interne Kommunikation stehen uns außerdem eine Online-Community, unsere Mitarbeiterzeitschrift und ein Kurznachrichtendienst zur Verfügung. Über Letzteren informieren wir wöchentlich und zweisprachig über aktuelle Projekte und Dialogangebote des Konzerns.

Bei der Planung, Durchführung und Evaluation unserer Stakeholder-Engagements orientieren wir uns an gültigen Normen auf den verschiedensten Regulierungsebenen. In erster Linie sind das der AccountAbility 1000 Standard für Stakeholder-Engagement und die vierte Richtlinien-Generation der Global Reporting Initiative (GRI G4) für die Berichterstattung zum Thema. Hinzu kommen weitere Referenzsysteme, von denen hier einige überblicksartig dargestellt werden.

Mehrebenensystem der Standards und Normen für das Stakeholder-Management

Ebenen Beispiele Inhalt Links zu Dokument
International OECD Leitsätze für Multinationale Unternehmen Beschreibt die allgemeine Relevanz sozialer Kooperationen http://www.oecd.org/berlin/publikationen/oecd-leitsaetze-fuer-multinationale-unternehmen.htm
  GRI G4 Definiert Inhalte und Elemente der Berichterstattung zum Thema https://www.globalreporting.org/standards
Europäisch EMAS Regelt externe Kommunikation mit Stakeholdern im Hinblick auf das Umweltmanagement und -auditsystem http://www.emas.de/home/
National VDI 7000 Regelt Stakeholder-Beteiligungen bei Infrastrukturprojekten (Werksneubau; Werkserweiterung etc.) https://www.vdi.de/karriere/richtlinie-vdi-7000/
Intern Grundsätze und Leitlinien der Konzern Außenbeziehungen Erklärung zum Selbstverständnis und den Aufgaben politischen Stakeholder-Managements [Dokument: Stand 04/2015]
  Erklärung zu den sozialen Rechten und industriellen Beziehungen (Sozialcharta) Selbsterklärung zu den Rechten und Prinzipen im Umgang mit den Beschäftigten des Konzerns [Dokument: Stand 06/2002]

KonsultationGRI G4-26

Unsere Marken bieten umfassende Dialogmöglichkeiten an, die wir auf Konzernebene bündeln. In regelmäßigen Abständen finden beispielsweise Nachbarschaftsdialoge an unseren Standorten statt. So organisierte die Audi AG am Standort Neckarsulm im November 2015 das Gesprächsforum „Unter Nachbarn“, bei dem sich Anwohner mit der Werksleitung über aktuelle Entwicklungen und das gesellschaftliche Engagement des Unternehmens austauschen konnten. In ähnlicher Form informierte die Porsche AG in ihren Anwohnergesprächen über geplante Baumaßnahmen am Standort Zuffenhausen. Zudem fand im Volkswagen Werk in Hannover eine Dialogveranstaltung statt, bei der in offener Atmosphäre über Neuigkeiten rund um das Werk und aktuelle Entwicklungen informiert wurde und kritische Anwohnerfragen zum Beispiel zum Umweltschutz und lokalen Verkehr beantwortet wurden. Anspruch dieser Dialogangebote ist eine umfassende wechselseitige Verständigung, mindestens jedoch ein gemeinsames Verständnis der Ausgangslagen und Positionen. Unser Engagement beschränkt sich dabei nicht nur auf deutsche Standorte. Die Marken Volkswagen Nutzfahrzeuge und Bentley organisierten an den Standorten Posen (Polen) und Crewe (Großbritannien) gleichermaßen offene Austauschrunden mit lokalen Stakeholdern. Ein weiteres Beispiel für den intensiven Austausch zwischen Belegschaft, NGOs, Wissenschaft und Politik ist die Vortragsreihe „Perspektive Verantwortung“, bei der die Audi AG im vergangenen Jahr Expertenvorträge zu Themen wie „Vermessung der Nachhaltigkeit“ oder „CO2: die Welt nach 2020“ organisierte. Eine Übersicht über alle unsere Dialogangebote findet sich hier.

Kooperation GRI G4-26

Foto: Symbolbild für Partnerschaft mit Naturschutzbund Deutschland
VW Amarok 3,0l TDI SCR BMT – Kraftstoffverbrauch in l/100 km: innerorts 8,6 / außerorts 7,3 / kombiniert 7,8; CO2-Emissionen in g/km: kombiniert 204-203, Effizienzklasse: D

Neben informationellem Austausch forcieren wir mit ausgewählten Stakeholdern eine vertiefte und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Dahinter steckt der Wunsch, in der Gesellschaft unterstützend zu wirken, gemeinsam Probleme zu lösen und die Kompetenz dieser Akteure als Entscheidungshilfe zu nutzen. Beispiele sind unsere Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und unser Engagement für Flüchtlinge, Mitmenschlichkeit, Gemeinsinn und Verantwortungsbewusstsein – auf diesen Werten beruht die Arbeit des DRK, und wir im Volkswagen Konzern teilen diese Werte. Im Rahmen der strategischen Partnerschaft hilft der Volkswagen Konzern dem DRK, noch mehr Menschen für ein ehrenamtliches Engagement zu gewinnen. Dieses Ziel steht neben der Stärkung des Rettungsdienstes im Zentrum der Partnerschaft.

Unter dem Motto „Gemeinsam helfen“ beteiligen wir uns an der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, die Flüchtlinge, die nach Europa und Deutschland kommen, aufzunehmen und zu integrieren. Dies geschieht in unterschiedlichsten Projekten, angefangen bei der Soforthilfe in der Erstaufnahme über lokale Integrations- und Qualifizierungsprojekte bis hin zur Bereitstellung von Fahrzeugen oder Sachmitteln.

Unser langjähriger Kooperations- und Beratungsvertrag mit dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) lief hingegen zum 31. Dezember 2015 aus. Die Verlängerung des Vertrages und die weitere Zusammenarbeit sind infolge der Dieselthematik zunächst ausgesetzt. Wir möchten die strategische Partnerschaft mit dem NABU jedoch fortführen und arbeiten intensiv daran, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, an die erfolgreichen Projekte der Vergangenheit anzuknüpfen. Hierzu zählten im Jahr 2015 Spitzentreffen mit Vorstandsbeteiligung, Natur- und Artenschutzprojekte und öffentliche Diskussionsforen. Eine Übersicht über die vergangenen Initiativen unserer Partnerschaft findet sich hier.

Auch unsere Marken pflegen eigenständige Kooperationen. So ist beispielsweise SOS-Kinderdorf ein langjähriger Partner der MAN S.E. MAN lud daher zum Anlass des 60-jährigen Jubiläums der NGO im vergangenen Jahr rund 80 Teilnehmer nach Dießen am Ammersee ein. Ein weiterer Eckpfeiler unserer Kooperationsprogramme sind sogenannte Multi-Stakeholder-Initiativen. Die Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge startete hier im letzten Jahr beispielsweise das Gemeinschaftspilotprojekt „Urbane Logistik“, eine Initiative für leise, emissionsfreie, sichere und innovative Infrastrukturprojekte im urbanen Raum, an der unter anderem die Stadt Hannover, die Metropolregion, die Leibniz Universität sowie die Hochschule Hannover beteiligt waren. Die Scania AB lud wiederum im vergangenen Jahr zu einer Konferenz für Kunden und Kunden von Kunden mit dem Titel „TAKE CO2NTROL“, deren Ziel die Ausarbeitung gemeinsamer Lösungen für die Reduktion von CO2-Emissionen durch Frachttransportsysteme war.

„Vertrauen schafft das Klima für Pioniergeist und unternehmerischen Mut, für die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen und Veränderung selbst zu gestalten.“
Bernd Osterloh, Rede vor dem Niedersächsischen Landtag, 07.03.2016

 

Im Rahmen unserer Mitgliedschaften sind wir als Konzern auf unterschiedlichen Ebenen aktiv. Zurzeit engagieren wir uns unter anderem in der Global Reporting Initiative (GRI), der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) und bei CSR Europe. Seit 2002 waren wir als Konzern neben unseren Marken Audi, MAN und Scania in der größten und wichtigsten CSR-Initiative der Welt aktiv, dem UN Global Compact (UNGC). Unser Vorstandsmandat bei econsense, dem Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft e.V., lassen wir im Zuge der Diskussionen zur Angabe von Emissionswerten auf Eigeninitiative hin seit Ende 2015 vorübergehend ruhen.

Gleiches gilt für unsere Mitgliedschaften im World Business Council for Sustainable Development (WBCSD), im UNGC, in der Initiative „Biodiversity in Good Company“ und dem Deutschen Global Compact Netzwerk (DGCN). Unabhängig von der zeitweisen Niederlegung betonen wir unser Bekenntnis zu den Zielen und Prinzipien dieser Initiativen. Eine Übersicht über unsere aktuellen Mitgliedschaften findet sich hier.

Partizipation GRI G4-26, G4-27

Für uns ist Stakeholder-Engagement keine Einbahnstraße. Wir begreifen Stakeholder als Partner auf Augenhöhe und binden sie in Entscheidungsprozesse ein. Neben der starken Mitbestimmungskultur bei Volkswagen, aus der unter anderem unsere Sozialcharta und Charta der Arbeitsbeziehungen hervorgingen, kann hier die Gründung eines externen Nachhaltigkeitsbeirates für den Volkswagen Konzern angeführt werden. Dem Beirat werden internationale Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Gesellschaft angehören. Er wird sich den Themenfeldern „Gesellschaftliche Verantwortung und Integrität“, „Nachhaltige Mobilität und Klimaschutz“ sowie „Zukunft der Arbeit und Digitalisierung“ widmen. Erklärtes Ziel ist es, über die institutionalisierte Einbindung von Experten eine noch überzeugendere Nachhaltigkeitsausrichtung anzusteuern. Ein weiteres Format der Stakeholder-Mitwirkung stellte im vergangenen Jahr der von Volkswagen Financial Services in Zusammenarbeit mit dem NABU verliehene Umwelt-Award „Die Grüne Flotte“ dar. Mit einem Teilnehmerrekord von 146 Fuhrparks und rund 25.000 Fahrzeugen wurden im September 2015 zum sechsten Mal in Folge Fuhrparks mit dem größten Anteil umweltfreundlicher Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns im Rahmen der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt prämiert.

EvaluationGRI G4-27

Stakeholder-Management beginnt mit der Frage nach den Ansprüchen und Interessen der Stakeholder und endet mit systematischer Rückkopplung und Erfolgskontrolle. Wir nehmen das Feedback unserer Stakeholder zu unseren Aktivitäten sehr ernst und daher kommt der fortwährenden Evaluation eine besondere Bedeutung zu. Regelmäßig führen wir auf Konzern- und Markenebene umfangreiche Stakeholderbefragungen durch. Hierzu zählen neben Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheitsbefragungen auch breiter angelegte Umfragen. So lancierte die Porsche AG im letzten Jahr beispielsweise eine Befragung zum Thema „Porsche und Nachhaltigkeit“, bei der die Stakeholder kritische Impulse für die Weiterentwicklung der Zielsetzungen und Instrumente des Nachhaltigkeitsmanagements liefern konnten. Darüber hinaus haben wir zur Dokumentation und Bewertung unserer Aktivitäten ein IT-basiertes Stakeholder-Management-System eingeführt. Es hilft uns auch bei der Planung unserer zukünftigen Schwerpunkte und Projekte weltweit.

Nicht zuletzt lassen wir unseren Nachhaltigkeitsbericht in Zusammenarbeit mit dem Institut für Markt, Umwelt und Gesellschaft (imug) einmal jährlich von einem Stakeholder-Panel bewerten. 2014 wurde die Stichprobe dieser Befragung auf 36 nationale und 36 internationale Stakeholder-Vertreter ausgeweitet. Ziel des umfangreichen Evaluationsformates war es, Wirkung und Nutzen unseres Berichts für verschiedenste Zielgruppen kontinuierlich zu verbessern. Die positiven Rückmeldungen und kritischen Anmerkungen liefern wichtige Impulse zur Optimierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung. In der letztjährigen Befragung wurde sowohl die Ansprache kritischer Themen über Fokusthemen als auch die systematische Berücksichtigung der Kritiken als Verbesserungen wahrgenommen. Zentrale Zukunftswünsche waren eine klare und zukunftsweisende Darstellung der Nachhaltigkeitsstrategie, die Fokussierung auf wesentliche Berichtsinhalte und Einbindung von Elementen einer integrierten Berichterstattung. Die Ergebnisse der letzten Evaluation finden sich hier.