Managementansatz

Faire Vergütung im Austausch für eine hohe Leistungsbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zahlreiche Möglichkeiten zur Qualifizierung und Weiterentwicklung, ein gutes Arbeitsumfeld sowie die Sicherheit der Arbeitsplätze zeichnen den Volkswagen Konzern als attraktiven Arbeitgeber aus.

Nach Jahren des Wachstums – allein organisches Wachstum führte zwischen 2006 und 2014 zur Schaffung von 143.055 neuen Arbeitsplätzen im Volkswagen Konzern – war das Jahr 2015 personalpolitisch durch eine einsetzende Konsolidierung geprägt. Der Volkswagen Konzern hat den verlangsamten Belegschaftsanstieg dazu genutzt, im Rahmen eines systematischen Managementansatzes eine vertiefte Integration der weltweit verteilten Belegschaft einzuleiten. Hierzu gehörte neben Initiativen und Impulsen zur Erneuerung der Unternehmenskultur, dem Ausbau des Talentmanagements und der Nachfolgeplanung sowie einer Intensivierung der internationalen Entsendepolitik (Global Assignments) auch die Arbeit an konzernweit einsetzbaren Personalinstrumenten wie dem Stimmungsbarometer. Das Stimmungsbarometer ist eine Meinungsumfrage unter allen Konzernbeschäftigten zu ihrer Arbeitssituation, die im Lauf des Jahres 2015 grundlegend neu konzipiert wurde. Auch die Verankerung der dualen Berufsausbildung als Grundprinzip der Qualifizierung von Facharbeitern an allen ausländischen Konzernstandorten wurde 2015 weiter vorangetrieben. Zudem wurde an ersten Standorten außerhalb von Deutschland das duale Hochschulstudium eingeführt.

Sämtliche dieser Bemühungen zielen darauf ab, das hohe Kompetenzniveau und die hervorragende Fachlichkeit der Volkswagen Belegschaft an allen Standorten des Konzerns zu erhalten und weiterzuentwickeln. Wir setzen hierfür vor allem auf das Lernen und Lehren in Berufsfamilien nach dem dualen Prinzip, das eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis dauerhaft sicherstellt. Ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor ist der systematische Wissenstransfer durch die eigenen Experten aller Hierarchieebenen über die Fachbereichs- und Markengrenzen hinweg.

Leitlinien unseres Handelns

Als global agierender Konzern mit 119 Produktionsstandorten in Europa, Amerika, Asien und Afrika haben wir vielfältige Erfahrungen mit kulturellen Unterschieden, verschiedenen Herangehensweisen und Weltsichten. Als Unternehmen stehen wir für Respekt, Toleranz und Offenheit. Wir gewährleisten an allen Standorten Chancengleichheit und Gleichbehandlung. Für die nachhaltige Entwicklung der Städte und Regionen, in denen wir tätig sind, setzen wir uns auf vielfältige Weise ein.

Grundlegende Normen, Rechte der Arbeitnehmer und konzernweit gültige Regelungen für kooperative Zusammenarbeit sind in verschiedenen Selbstverpflichtungen und bilateralen Abkommen mit der Arbeitnehmerseite kodifiziert:

  • Erklärung zu den sozialen Rechten und den industriellen Beziehungen bei Volkswagen (Sozialcharta): In dieser Erklärung schrieb Volkswagen im Jahr 2002 die grundlegenden sozialen Rechte und Prinzipien als Basis seines Selbstverständnisses fest. Sie orientieren sich an den einschlägigen Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation. Eine neue Fassung der Sozialcharta wurde 2012 unterzeichnet.
  • Charta der Arbeitsbeziehungen: Die Charta wurde im Herbst 2009 in Kraft gesetzt und verknüpft erweiterte Mitspracherechte mit Mitverantwortung. Sie sieht Unterrichtungs-, Konsultations- und Mitbestimmungsrechte für die Arbeitnehmervertretungen der im Weltkonzernbetriebsrat vertretenen Marken, Gesellschaften und Standorte vor.
  • Verhaltensgrundsätze des Volkswagen Konzerns (Code of Conduct): Sie wurden im Jahr 2010 eingeführt und bilden bis heute den Rahmen für rechtskonformes und ethisches Handeln.
  • Charta der Zeitarbeit: Damit verständigten sich Konzernleitung, Europäischer und Weltkonzernbetriebsrat im November 2012 auf Grundsätze zur Zeitarbeit.
  • Charta der Berufsausbildung: Die im Jahr 2015 verabschiedete Charta beinhaltet grundlegende Vereinbarungen, zum Beispiel über den Auswahlprozess für die Auszubildenden, die Dauer und Qualität der Berufsausbildung, die Arbeitsmittel und Infrastruktur zur Vermittlung der Lerninhalte sowie die Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis.

Beschäftigungsentwicklung

Am 31. Dezember 2015 beschäftigte der Volkswagen Konzern einschließlich der chinesischen Gemeinschaftsunternehmen 610.076 Mitarbeiter, das sind 3,0 % mehr als am Ende des Geschäftsjahres 2014. Der gemäßigte Anstieg resultiert aus dem Personalaufbau in unseren neuen Werken in China, Polen und Mexiko sowie der Einstellung von Fachkräften, vor allem in Deutschland und China.

Die Verteilung zwischen den im Inland und den im Ausland beschäftigten Mitarbeitern des Konzerns blieb im vergangenen Jahr unverändert: Ende 2015 arbeiteten 45,7 % der Mitarbeiter in Deutschland. Im Jahr 2015 wurden im Volkswagen Konzern in Deutschland insgesamt 3.698 Zeitarbeitnehmer in die Stammbelegschaft übernommen.

Top-Arbeitgeber

Auch im Jahr 2015 haben wir in verschiedenen Arbeitgeberrankings Spitzenpositionen erreicht. So belegte der Volkswagen Konzern laut dem Beratungsinstitut trendence bei angehenden Ingenieuren, IT-Experten und Wirtschaftswissenschaftlern erneut Platz 2 der attraktivsten Arbeitgeber Europas. Rund 300.000 Absolventen der Ingenieur-, IT- und Wirtschaftswissenschaften aus insgesamt 24 europäischen Nationen wählten wie im Vorjahr den Volkswagen Konzern in der trendence-Befragung zum beliebtesten Arbeitgeber in der Automobilbranche.

Im Young-Professionals-Barometer, mit dem trendence Karrierevorstellungen und Erwartungen ermittelt, wurde festgestellt, das 2015 unter 7.300 Young Professionals aller Fachrichtungen mit ein bis acht Jahren Berufserfahrung deutsche Absolventen Audi auf Platz 3 und Porsche auf Platz 5 gewählt haben. Unter tschechischen Absolventen hat trendence ŠKODA Auto als beliebtesten Arbeitgeber ermittelt. Aber auch in anderen Ländern zählt Volkswagen mit seinen Marken zu den Top-Arbeitgebern, darunter in Spanien, Großbritannien, Mexiko, Südafrika und China.

Chancen der Informationstechnologie

Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung, die Notwendigkeit der durchgängigen Unterstützung von Geschäftsprozessen und der Aufbau neuer Standorte stellen die IT im Konzern vor ständig neue Herausforderungen. Um diesen zu begegnen, ist eine moderne und bedarfsgerecht ausgestattete Infrastruktur notwendig.

Ebenso unerlässlich ist es, die Anwendungslandschaft an den Unternehmensstandorten, in den Geschäftsabläufen und im Vertriebsnetz effizient auszubauen. Bei allen Marken des Volkswagen Konzerns entwickeln die IT-Mitarbeiter die Systeme nicht nur, sie unterstützen auch die Anwender in der Technischen Entwicklung, in der Produktion und im Vertrieb. So entstehen Anwendungen, die genau auf die Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten sind.

Neue Chancen eröffnet das weitere Zusammenwachsen von Produktion und IT. Big-Data-Verfahren helfen, Maschinenstörungen zu analysieren und frühzeitig einzugreifen. Big Data steht für Datenmengen, die zu groß und komplex sind, um sie mittels manueller oder herkömmlicher Verfahren zu analysieren und auszuwerten. Mit der „digitalen Fabrik“ können Volkswagen Fabrikplaner schon vor dem ersten Spatenstich virtuell durch die Gebäude gehen, ihre Planungen prüfen und somit einen Produktanlauf absichern.

Das konzernweite Fertigungs-, Informations- und Steuerungssystem FIS ermöglicht es uns, Fahrzeuge in aktuell 43 Werken weltweit – zur richtigen Zeit und mit der richtigen Ausstattung – effizient zu produzieren. FIS ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, um eine flexible und markenübergreifende Produktion im globalen Produktionsnetzwerk zu ermöglichen. Den konzernweiten IT-Standardisierungsgrad für die Steuerung unserer Werke haben wir in den vergangenen drei Jahren auf 84 % erhöht.

Den Trend zur Digitalisierung greift Volkswagen in konzerneigenen IT-Labs auf. IT-Labs sind Innovationszentren, in denen in enger Zusammenarbeit von Fachbereichen, Forschungseinrichtungen und Technologiepartnern sowie mittels der finanziellen Förderung der Belegschaft durch den Innovationsfonds II neue IT-Lösungen erarbeitet werden. Die Innovationszentren fungieren als Testlabore für den Konzern, als Berater für Zukunftsfragen der Informationstechnologie sowie als Verbindungsbüros zu Start-up-Unternehmen.

Das Data:Lab in München ist das Kompetenzzentrum für Themen wie Big Data, Advanced Analytics (Prozess zur systematischen Analyse von Daten in elektronischer Form) und Machine Learning (maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz). Das Team aus Datenwissenschaftlern, Projektmanagern und Technologieexperten wird von Spezialisten führender Big-Data-Unternehmen und Forschungseinrichtungen sowie Vertretern von Start-ups unterstützt. Beispiele für erfolgreiche Projekte des Data:Labs sind die Prognose von Kundenwünschen und -loyalität sowie eine Lang- und Allzeitprognose zur Ersatzteilplanung für das Zentraldepot Kassel. Auch außerhalb des Konzerns wird diese Innovationskraft anerkannt. So darf sich das Data:Lab seit November 2015 als „ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“ bezeichnen. Beim bundesweiten Wettbewerb wurde das Data:Lab aus über 1.000 Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Start-ups und Vereinen in der Kategorie Wirtschaft als Preisträger geehrt. Die Jury begründete ihre Wahl damit, dass das Data:Lab eine überzeugende Antwort auf die Frage gibt, wie sich die Mobilität der Zukunft gestalten lässt.

In Berlin entsteht das Digital:Lab. Dort wird unter anderem eine digitale Mobilitätsplattform für den Konzern aufgebaut, um dem Endkunden Mobilitätsdienstleistungen wie Spritpreis-Agenten oder Park- und Wetterdienste zur Verfügung stellen zu können.  

Am Standort Wolfsburg haben wir das Smart.Production:Lab etabliert. Es agiert im Umfeld von Industrie 4.0 und leistet einen wichtigen Beitrag dazu, die Produktionsstätten des Volkswagen Konzerns schrittweise zu intelligenten Fabriken weiterzuentwickeln. Unter bewusstem Einsatz agiler Methoden und Arbeitsweisen sowie einer Start-up-Kultur besteht das Ziel des Labs darin, Software- und Hardwarepiloten sowie Prototypen für die Produktion und Logistik schnell und anwendungsfallorientiert im eigenen Haus zu entwickeln. Ein erstes Beispiel für einen realisierten Piloten ist das Projekt Smart Logistics Watch. Basierend auf einer aus einem internen Hackathon (Programmierwettbewerb) hervorgegangenen Idee wurde im Lab in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich in kürzester Zeit eine Smartwatch-Applikation entwickelt. Mit dieser Lösung können Logistikmitarbeiter sinnvoll unterstützt und der Logistikprozess der Teilekommissionierung weiter optimiert werden.

Eine starke Vernetzung wird auch innerhalb der IT des Konzerns vorangetrieben. Konzernweite Hackathons oder Initiativen wie die IT-Pitching-Days (Ideenwettbewerb) schaffen Plattformen, auf denen Mitarbeiter gemeinsam neue Ideen und Softwareprototypen entwickeln. Mit internen Communitys (Gemeinschaften) wie der Agile Community und dem unternehmensinternen Netzwerk Group Connect können wir Experten konzernweit zügig miteinander vernetzen. Diese neuen Arbeitsmethoden, -mittel und -wege etablieren wir, damit die IT im Konzern schnell, flexibel und effizient auf sich stetig ändernde Anforderungen reagieren kann.

Für eine enge Verzahnung zwischen Studenten, Schülern und der IT des Konzerns stehen CodeFEST8 und KIDScraft 1.0. Der Programmierwettbewerb CodeFEST8 wurde 2015 von mehreren Marken des Konzerns gemeinsam veranstaltet und richtete sich an Studierende technischer Fächer, insbesondere der Informatik und Wirtschaftsinformatik. Im Rahmen des Wettbewerbs entwickelten die Teilnehmer in nur 28 Stunden Software unter dem Motto „Mobilität der Zukunft“. An der Vorrunde, die zeitgleich an acht Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfand, nahmen mehrere Hundert junge Menschen teil. Damit war CodeFEST8 der bislang größte Programmierwettbewerb in der Automobilindustrie. Die beiden besten Teams jedes Universitätsstandorts qualifizierten sich für das Finale auf der CeBIT. Bei KIDScraft 1.0, dem Sommercamp der IT des Konzerns, forschten 150 Kinder aus der Region Wolfsburg wie künftige IT-Ingenieure. KIDScraft 1.0 dient der langfristigen Nachwuchsförderung, insbesondere um junge Mädchen für IT zu begeistern, und der IT-Standortsicherung in Wolfsburg und Umgebung.